Musterhaus küchen frankfurt

Schütte-Lihotzky entwarf tatsächlich drei verschiedene Varianten der Frankfurter Küche. Typ 1, der hier beschrieben wurde, war der häufigste und am wenigsten kostspielige. Sie entwarf auch „Typ 2“ und „Typ 3“, die größer waren, Tische hatten und geräumig genug waren, um eine oder sogar zwei zusätzliche Personen in der Küche zu helfen. Diese beiden letztgenannten Typen hatten jedoch nicht die Wirkung ihres „Typ 1“-Modells. Die „Frankfurter Küche“ war ein wichtiges konzeptionelles Element des Gesamtentwurfsprojekts „Neues Frankfurt“. Die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000) – die erste Österreicherin, die das Architekturstudium abschließt – wurde als Spezialistin für die Küchen in den neuen Wohnsiedlungen in die Abteilung „Standardisierung“ (Typisierung) des Frankfurter Tiefbauamtes berufen. Mehr als 10.000 Küchen wurden nach ihrem effizienzorientierten Design gebaut und installiert. Es gibt etwa dreißig Varianten der „Frankfurter Küche“, keine größer als etwa sieben Quadratmeter. Sie stellten einen wesentlichen Faktor im Raumprogramm des neuen, bezahlbaren Frankfurter Reformwohnungsbaus dar, in dem das Wohnzimmer die großangelegte proletarische Küche als Mittelpunkt des Familienlebens ablöste. Die Küche wurde nun stark reduziert, um den Fokus auf andere Räume innerhalb und außerhalb der Wohnung oder des Hauses zu verlagern. Unter dem Begriff Effizienz zeigt die Küche, wie der Platz optimiert wurde, um Zeit zu sparen. So fand Effizienz ihren Weg in das konzeptionell eher entschleunigte Wohnküchenmodell und trägt bis heute zur Optimierung unseres Alltags lebensseitig bei.

Die Küche war in mindestens dreißig verschiedenen Ausführungen erhältlich und konnte so an Räume in sehr unterschiedlichen Größen angepasst werden. Es gab nicht nur eine Frankfurter Küche, sondern viele verschiedene Versionen davon. Die Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky ist daher als Mutter aller Einbauküchen bekannt Die „Frankfurter Küche“ war weithin vermarktet und wurde zum Vorbild für die Einbauküche von heute. Es gibt aber nicht nur eine Frankfurter Küche. Das Modell wurde in der Zeit, in der es bis 1930 in mehreren Frankfurter Anwesen realisiert wurde, mehrfach verändert. „Traumküchen“ laden, ja sogar darauf bestehen, die Transformation von Träumen in die Realität durch aufwendige Backprojekte und Urlaubsmahlzeiten und all die Reinigung, Wartung und Organisation, die mit ihnen geht. Große Küchen haben schmutzige Geheimnisse: Schubladen voller deckelloser Tupperware, Glas auf Glas abgestandener Gewürze, nie verwendete Bundt-Pfannen und Stapel von Büchern mit neuen Kochideen, die wir auf jeden Fall zu einem dieser Tage bekommen werden. Die „Frankfurt Kitchen“ wurde so konzipiert, dass sie effizient und funktional ist, nach Bahn-Esswagenküchen modelliert und auf Basis taylorisierter Arbeitsabläufe geplant.

Es sollte als „Koch-Arbeitsraum“ genutzt und durch eine Schiebetür vom Wohnzimmer getrennt werden. Die „Frankfurter Küche“ ist ein wichtiges Dokument der Kulturgeschichte für die Übertragung industrieller, rationalisierter Arbeitsprozesse in die Sphäre des Privathaushalts. Dies ist ein zentrales Merkmal der modernen Architektur und Alltagskultur in den 1920er Jahren. Während sie im 20. Jahrhundert das Küchendesign veränderte, inspirierte die Frankfurter Küche in gewisser Weise mehr neue Vorstadthäuser als ihre urbanen Pendants. Dies liegt zum Teil daran, dass es nach dem Zweiten Weltkrieg viel mehr Neubauten in amerikanischen Vororten gab, während große Städte meist aus Mietern bestanden, die ihre Küchen so akzeptieren mussten, wie sie waren.